Ein Wort für dich

EIN WORT FÜR DICH – Gedanken zur frohen Botschaft am 6. Sonntag im Jahreskreis von Bernd Michael Pawellek.

6. SONNTAG IM JAHRESKREIS (Lesejahr A) (15.02.2026)

Maske ab – Herz an

EVANGELIUM
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemanden tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau ansieht, um sie zu begehren, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast. Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, Eure Rede sei: Ja ja, nein nein; was darüber hinausgeht, stammt vom Bösen. (Matthäus 5,20ff. Kurzfassung)

Liebe Schwestern und Brüder,

Karnevalssonntag – und dann dieses Evangelium: kein Konfetti, sondern Klartext. Kein „Helau“, sondern: Hör auf, dich rauszureden. Und genau deshalb passt es. Weil Karneval wie ein Vergrößerungsglas ist: für Masken, Rollen, Sprüche, kleine Gemeinheiten, große Eitelkeiten – und für den Wunsch, einmal kurz jemand anders zu sein.

Karneval kann Maske sein – oder Wahrheitspause. Masken sind nicht grundsätzlich schlecht. Manchmal schützen sie. Manchmal machen sie frei. Manchmal helfen sie sogar, durchzuhalten. Aber wer sich zu lange versteckt, vergisst irgendwann, wie das eigene Gesicht aussieht. Karneval sagt: „Heute darf man mal anders.“ Jesus sagt: „Ja – aber vergiss nicht, wer du wirklich bist.“

Das Evangelium heute ist wie eine Lichtprobe nach der Party. Nicht die Frage: „Hattest du Spaß?“ Sondern: „Bist du ehrlich geblieben?“ Viele hören das und denken: „Na super. Jetzt wird Glaube wieder streng.“ Aber Jesus macht keine Regeln härter. Jesus geht tiefer. Er sagt: Es reicht nicht, äußerlich korrekt zu sein, wenn innerlich etwas kippt. Es reicht nicht, niemanden umzubringen, wenn Worte Menschen jeden Tag kleinmachen. Es reicht nicht, juristisch sauber zu sein, wenn das Herz ständig Schlupflöcher sucht. Jesus holt den Glauben raus aus der Schublade „Anstand“ – und setzt ihn dahin, wo er hingehört: ins Herz.

„Du sollst nicht töten“ beginnt bei Sprache. Man muss niemanden schlagen, um jemanden zu verletzen. Ein Satz reicht. Ein Blick. Eine Story. Ein Kommentar. Ein „War doch nur Spaß“. Karneval lebt von Spott – und manchmal kippt Spott in Verachtung. Und Verachtung ist wie inneres Gift: Es bleibt nicht beim anderen. Es frisst auch im eigenen Herzen. Jesus sagt: Wenn du betest und dir fällt ein, da ist etwas offen zwischen dir und einem Menschen – dann geh. Klär das. Nicht: „Bet erst, dann irgendwann vielleicht.“ Sondern: Versöhnung ist Gottesdienst. Das ist kein moralischer Zeigefinger. Das ist ein Weg in die Freiheit.

„Du sollst nicht ehebrechen“ beginnt nicht im Bett, sondern im Blick. Jetzt wird es stiller – weil es heikel ist. Jesus redet nicht über Erotik als Problem. Jesus redet über Menschen als Ware. Der Blick kann lieben – oder benutzen. Der Blick kann sagen: „Schön, dass du da bist.“ Oder: „Du bist für mich da.“ Jesus schützt Würde. Die des anderen – und die eigene. Denn wer Menschen benutzt, verliert irgendwann die Fähigkeit, wirklich zu lieben. Ja, das ist eine Zumutung. Aber es ist eine Zumutung aus Liebe.

„Schwört nicht“ heißt: Werde so verlässlich, dass Schwüre überflüssig werden. Karneval ist auch die Zeit der großen Sprüche: „Ich schwöre, nächstes Jahr trinke ich weniger!“ Und am Aschermittwoch merkt man: Sprüche sind billig. Wahrheit kostet. Jesus sagt: Sag einfach Ja, wenn Ja gemeint ist. Sag Nein, wenn Nein gemeint ist. Keine Show, keine Tricks, keine Nebelkerzen. Das ist ein Evangelium gegen das „Ich dreh’s mir hin“. Ein Evangelium für Klarheit. Wenn man alles zusammenhält, sagt Jesus heute im Kern: Glaube ist nicht Kosmetik. Glaube ist nicht Fassade. Glaube ist Herzarbeit.

Karneval dauert ein paar Tage. Aber viele Masken tragen Menschen das ganze Jahr: „Ich bin halt so.“ „War nicht so gemeint.“ „Reg dich nicht auf.“ „Mach doch kein Theater.“ Jesus sagt: Doch. Mach Theater – aber im richtigen Sinn: Stell die Wahrheit auf die Bühne. Nicht um andere bloßzustellen, sondern damit Leben heil werden kann.

Karneval hat eine tiefe Idee: Für einen Moment fällt der Alltag ab. Aber Jesus will mehr als einen Moment. Jesus will ein Leben ohne Dauerrolle. Vielleicht ist das die Pointe dieses Sonntags: Die schönste Maske ist die, die man wieder abnimmt. Und das stärkste Gesicht ist das, das Gott gezeigt wird – ohne Schminke, ohne Beweisführung, ohne Ausreden. Denn Gott liebt keine Rollen. Gott liebt Menschen.

Seien Sie von ihm gesegnet.

Bernd Michael Pawellek