Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel
Was Gott liebt, lässt er nicht zurück
Mariä Himmelfahrt ist kein Fest einer fernen, weltentrückten Heiligen. Es ist ein Fest unserer eigenen Hoffnung: Gott lässt den Menschen, den er liebt, nicht im Tod zurück. Maria zeigt uns, wie ein Leben im Vertrauen auf Gott gelingen kann – mit offenen Händen, einem mutigen Ja und der Bereitschaft, anderen Hoffnung zu bringen. Und sie weist uns den Weg zu jenem Himmel, der schon heute beginnt und einmal unsere endgültige Heimat sein wird.
Das Leben hat das letzte Wort, nicht der Tod
Kennen Sie das?: Man räumt den Dachboden oder den Keller auf. Eigentlich wollte man nur eine Kiste holen. Und plötzlich hält man ein altes Fotoalbum in der Hand. Man setzt sich auf eine Kiste – und aus fünf Minuten wird eine halbe Stunde. Da sind Bilder von Menschen, die längst nicht mehr unter uns sind. Und doch sind sie plötzlich wieder ganz nah. Man lächelt. Man wird nachdenklich. Man spürt: Liebe verschwindet nicht.
Genau darum geht es heute. Was Gott liebt, lässt er nicht im Grab zurück. Mariä Himmelfahrt ist kein Fest der Wolken. Kein Fest, bei dem Maria wie eine Rakete in den Himmel startet. Es ist das Fest einer Hoffnung: Was Gott liebt, lässt er nicht im Grab zurück.
Unsere Welt erzählt oft eine andere Geschichte. Sie sagt: Am Ende bleibt nur Staub. Die Werbung sagt: Du musst jung bleiben. Die Schönheitsindustrie lebt davon, dass wir Angst vor dem Älterwerden haben. Und wenn jemand stirbt, hören wir manchmal den Satz: „So ist eben das Leben.“ Nein. Das ist nicht die ganze Wahrheit. Die Botschaft des heutigen Tages lautet: Das Leben hat das letzte Wort, nicht der Tod. Maria ist dafür das erste große Zeichen. Nicht weil sie etwas Besonderes geleistet hätte, sondern weil Gott Großes an ihr getan hat.
Eine Frau mit offenen Händen
Das beginnt schon mit ihrem einfachen Ja. Kein großes Programm. Keine Macht. Keine Karriere. Nur dieses schlichte Vertrauen: „Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ Man könnte sagen: Maria war keine Frau der großen Worte. Sie war eine Frau der offenen Hände. Vielleicht ist genau das heute das Schwierigste. Wir wollen alles absichern. Alles kontrollieren. Alles planen. Wir buchen den Urlaub Monate vorher. Wir verfolgen Pakete live auf dem Handy. Wir kontrollieren unsere Schritte mit der Smartwatch.
Aber Gott lässt sich nicht tracken. Er führt anders. Maria wusste auch nicht, wie ihr Leben verlaufen würde. Sie wusste nichts von Bethlehem. Nichts von der Flucht nach Ägypten. Nichts vom Kreuz. Aber sie wusste: Gott geht mit. Und das genügte ihr.
Wer Gott im Herzen trägt, macht sich auf den Weg Das Evangelium erzählt vom Besuch bei Elisabeth. Maria bleibt nicht bei sich. Sie macht sich auf den Weg. Das fällt auf. Wer Gott im Herzen trägt, bleibt nicht auf dem Sofa sitzen. Glaube bewegt. Maria bringt Freude. Hoffnung. Leben. Nicht sich selbst stellt sie in den Mittelpunkt, sondern Gott. Darum singt sie: „Meine Seele preist die Größe des Herrn.“ Nicht: „Schaut alle auf mich.“ Sondern: „Schaut auf ihn.“
Vielleicht brauchen wir genau das heute wieder: Eine Kirche, die weniger über sich spricht und mehr über Christus und den Vater im Himmel. Eine Kirche, die den Menschen Hoffnung bringt. Keine Schlagzeilen. Keine Machtkämpfe. Keine ständige Selbstbeschäftigung.
Maria zeigt uns den Weg. Sie ist wie ein Wegweiser. Ein Wegweiser ist nie das Ziel. Aber ohne ihn findet man das Ziel oft nicht.
Kräuter, die vom Heil erzählen
Und dann ist da noch ein schöner Brauch dieses Tages: die Kräuterweihe. Bunte Sträuße. Lavendel. Kamille. Salbei. Rosmarin. Johanniskraut… Früher hingen sie in den Häusern. Nicht als Zaubermittel, sondern als Zeichen: Gott will Heil schenken – für Leib und Seele.
Wie gut wäre es, wenn wir das wieder neu entdecken würden. Wir brauchen nicht nur Medikamente für den Körper, sondern auch Nahrung für die Seele: ein gutes Wort, ein Gebet, einen Besuch, eine Umarmung, Zeit füreinander.
Der Himmel beginnt schon heute
Maria erinnert uns daran: Der Himmel beginnt nicht erst nach dem Tod. Er beginnt überall dort, wo Menschen lieben, vergeben, trösten, teilen und Hoffnung schenken. Da öffnet sich schon jetzt ein Stück Himmel. Vielleicht ganz unscheinbar. In einem Gespräch. In einer versöhnten Beziehung. In einer Hand, die einen anderen Menschen nicht loslässt. In einem Besuch bei jemandem, der einsam ist. In einem Gebet für einen Menschen, dem wir sonst nicht helfen können. Überall dort bekommt der Himmel bereits einen Fuß in die Tür.
Maria kennt den Weg
Und schließlich dürfen wir an diesem Fest nach vorne schauen. Maria ist uns vorausgegangen. Nicht als unerreichbare Heilige auf einem Sockel, sondern als Schwester im Glauben. Sie zeigt: Der Tod ist keine Sackgasse. Er ist die Tür, durch die Gott uns heimholt. Das ist keine billige Vertröstung. Das ist das Herz unseres Glaubens. Darum feiern wir heute nicht den Abschied Marias von der Erde. Wir feiern ihre Ankunft bei Gott.
Vielleicht gehen wir heute mit einem einfachen Gedanken nach Hause: Wenn Gott einen Menschen so sehr liebt, dass er ihn ganz zu sich nimmt, dann dürfen auch wir darauf vertrauen, dass unser Leben nicht im Nichts endet. Am Ende wartet nicht die Dunkelheit. Am Ende wartet einer, der schon heute seinen Arm nach uns ausstreckt und sagt: „Komm nach Hause.“ Und vielleicht wird Maria dann lächelnd sagen: „Hab keine Angst. Ich kenne den Weg.“
Gott segne uns auf die Fürsprache Mariens
Bernd Michael Pawellek