5. SONNTAG IM JAHRESKREIS (Lesejahr A) (085.02.2026)
Licht statt Füllmaterial
EVANGELIUM
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr, außer weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden. Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen. (Matthäus 5,13-16)
Liebe Schwestern und Brüder,
Ein König hatte zwei Söhne. Er wird alt und sagt: „Einer von euch soll mein Nachfolger werden.“ Dann gibt er beiden je fünf Silberstücke und sagt: „Füllt diese Halle bis heute Abend. Ganz egal womit.“ Der ältere Sohn ist sofort unterwegs. Er sieht, wie auf einem Feld Zuckerrohr gepresst wird. Überall liegt das ausgepresste Zeug herum – Abfall, der niemandem mehr nützt. Er macht einen Deal: Für die fünf Silberstücke tragen Arbeiter das ganze Zeug in die Halle. Mittags ist die Halle randvoll. Er geht stolz zu seinem Vater und sagt: „Aufgabe erledigt. Mein Bruder macht nichts. Mach mich zum Nachfolger!“ Der König schaut und sagt nur: „Es ist noch nicht Abend.“ Der jüngere Bruder sagt zu den Arbeitern: „Tragt das alles wieder raus.“ Und als es Abend wird, ist die Halle leer. Dunkel. Still. Dann holt er Vater und Bruder, geht in die Mitte, stellt eine Kerze hin, zündet sie an – und plötzlich ist die ganze Halle voll. Nicht voll mit Zeug. Voll mit Licht. Bis in den letzten Winkel. Der König sagt zum Älteren: „Du hast die Halle gefüllt – aber nur mit nutzlosem Kram. Dein Bruder hat fast nichts gebraucht und hat sie mit dem gefüllt, was alle brauchen: Licht. Er wird mein Nachfolger.“
Und jetzt sind wir mitten im Evangelium: Jesus sagt: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Nicht: „Ihr sollt es werden.“ Sondern: „Ihr seid es.“ Und da merkt man sofort: Das sagt man nicht über sich selbst. Wenn jemand aufsteht und sagt: „Hallo, ich bin Licht der Welt!“ – dann denkt man eher: „Aha… alles klar.“ Manche Worte kann man sich nicht selbst geben. Manche Worte müssen zugesagt werden. Und genau das macht Jesus. Warum sagt Jesus so etwas? Jesus schaut nicht erst, wer perfekt ist. Er sortiert nicht: die Guten hier, die Wackeligen da, die Nervigen nach hinten. Er sagt es zu Menschen, die ganz unterschiedlich sind. Damals wie heute. Warum? Weil sie da sind. Weil sie zuhören. Weil sie sich von Gottes Wort berühren lassen.
Wer Jesus wirklich zuhört, nimmt etwas mit. Nicht unbedingt sofort als Gänsehaut. Eher wie ein Licht, das langsam in einem angeht. Vielleicht ist genau das heute dran: Nicht „Ich muss strahlen!“ Sondern: „Ich lasse Licht rein.“
Der ältere Sohn füllt die Halle. Man kann sagen: Er macht viel. Schnell. Eindrucksvoll. Aber es bleibt Abfall. Das ist eine starke Frage an den Alltag: Womit füllen sich Tage? Mit Zeug. Mit Terminen. Mit Stress. Mit Erwartungen. Mit Dingen, die kurz laut sind – aber am Ende nicht tragen. Und manchmal merkt man erst abends: „Voll war es. Aber nicht hell.“ Der jüngere Sohn macht etwas scheinbar Kleines: eine Kerze. Und das verändert alles. Licht ist nicht Masse. Licht ist Qualität. Ein kleines Licht kann mehr verändern als ein ganzer Haufen Zeug. Jetzt kommt der entscheidende Satz aus dem Evangelium: „Euer Licht soll vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ Das ist wichtig: Licht ist nicht dafür da, dass alle sagen: „Wow, was für ein toller Mensch!“ Licht ist dafür da, dass andere sich orientieren können. Dass Wege sichtbar werden. Dass Hoffnung nicht ausstirbt. Und hier passt ein Bild aus der Jugendwelt ziemlich gut: Selfies. Ein Selfie ist erstmal nichts Schlechtes. Klar, man will sich zeigen. Gehört dazu. Aber wenn das Leben nur noch daraus besteht – immer wieder ich, ich, ich – dann wird das Herz eng. Dann hängt der Wert an Klicks. An Reaktionen. An dem, was andere gerade daraus machen.
Jesus dreht das um: Nicht „stell dich ins Licht“. Sondern: „sei Licht.“ Das heißt: Nicht Dauer-Inszenierung. Sondern echte Ausstrahlung.
Wie sieht das konkret aus?
Für Kinder: Licht sein kann heißen: jemandem helfen, der allein steht teilen, statt alles festhalten jemanden trösten Das sind kleine Kerzen – aber die verändern eine ganze Klasse, eine Familie, einen Spielplatz.
Für Jugendliche: Licht sein kann heißen: nicht mitlästern, wenn alle es tun den Mut haben, echt zu sein, statt nur „gut rüberzukommen“ jemanden verteidigen, der fertiggemacht wird Das kostet manchmal was. Aber genau dann leuchtet es.
Für Erwachsene: Licht sein kann heißen: nicht alles weiterzugeben, was die Stimmung vergiftet Frieden stiften statt Recht behalten Zeit schenken, wenn jemand sie braucht im Beruf fair bleiben, auch wenn es keiner sieht Das ist Salz und Licht – nicht spektakulär, aber wirksam.
Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft heute: Man kann eine Halle mit allem Möglichen füllen. Mit Zeug, das schnell Eindruck macht. Mit Aktivitäten, die laut wirken. Mit Worten, die toll klingen. Aber am Ende zählt, ob es hell wird. Jesus sagt nicht: „Werdet irgendwann Licht.“ Er sagt: „Ihr seid es.“ Weil Gottes Licht in euch entzündet werden will – und dann durch euch weitergeht. Und manchmal beginnt das ganz klein: wie eine Kerze in einer dunklen Halle.
Gott segne Sie.
Bernd Michael Pawellek